MI6 wartet nach wie vor auf Auskunft zu Deal mit Terrormiliz IS

0
31

Der britische Premierminister David Cameron wird heute und morgen Gespräche in Ankara führen. Auf der offiziellen Agenda stehen neben den bilateralen Beziehungen auch  die Entwicklungen in den Nachbarländern Irak und Syrien. Dort kontrolliert die Terrormiliz IS immer noch weite Teile der Länder.  Bei den Gesprächen mit seinem Amtskollegen Ahmet Davutoğlu wird es sicherlich auch um zwei britische Staatsbürger gehen, die in türkischer Haft waren und später an die IS übergeben worden sein sollen.

Britischer Geheimdienst MI6 wartet auf Antworten aus Ankara

Der britische Geheimdienst MI6 wartet nach wie vor auf eine Antwort türkischer Behörden im Zusammenhang mit zwei britischen Staatsangehörigen. Der Nachrichtendienst geht davon aus, dass Ankara sie an die Terrormiliz IS überstellt hat, ohne London im Vorfeld darüber in Kenntnis gesetzt zu haben.

Die Briten haben ihre Anfrage bereits im Oktober gestellt. Bis dato ist jedoch in London keine Antwort eingegangen. Auch das Außen- und Innenministerium der Türkei hüllt sich in Schweigen, äußerten diplomatische Quellen gegenüber der Zeitung „Hürriyet“.

Dem MI6 zufolge sollen der 19-jährige Shabazz Suleiman und der 26-jährige Hisham Folkard, die beim Versuch türkisches Territorium zu betreten, festgenommen worden sein. Im September wurden Sie gegen 46 türkische Geiseln in der Hand der Terrormiliz eingetauscht. Dabei sollen auch andere in der Türkei inhaftierte Terroristen an die IS übergeben worden sein.

MI6 informierte türkische Kollegen im Juli

Im Juli hatte der MI6 die türkischen Dienste erstmals über die beiden britischen Staatsangehörigen informiert, die in İstanbul angekommen und Quellen zufolge anschließend über Hatay nach Syrien eingesickert sein sollen, um sich dem IS anzuschließen. Der türkische Geheimdienst soll sich den beiden Extremisten daraufhin an die Fersen geheftet haben.

Im August sollen die beiden britischen Staatsangehörigen durch türkische Sicherheitskräfte festgenommen worden sein, als sie aus Syrien wieder zurück in die Türkei wollten. Obwohl Interpol nach ihnen fahndete, wurde Großbritannien offenbar weder informiert noch wurde ein Auslieferungsverfahren initiiert. Daraufhin übermittelte der MI6 die Anfrage an seine türkischen Kollegen, ob die beiden im Zuge des Austausches übergeben worden waren.

Im Oktober berichtete die „Times“, es seien insgesamt 180 Extremisten an den IS übergeben worden, im Gegenzug kamen die 46 türkischen Diplomaten und deren Angehörige sowie drei Iraker frei, die vor fünf Monaten in der türkischen Botschaft von Mossul gefangen genommen worden waren. Auch damals wollten die britischen Behörden mehr über den Deal erfahren, Ankara hat bis dato nicht geantwortet.

Erdoğan räumte Möglichkeit eines Austausches ein

Auch während des jüngsten Treffens zwischen Außenminister Ahmet Çavuşoğlu und dem britischen Außenminister Philipp Hammond am 3. Dezember in Brüssel war türkischen Offiziellen zufolge das Thema nicht Teil der Tagesordnung gewesen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte im September betont, dass politische Verhandlungen und Diplomatie eine Schlüsselrolle bei der Befreiung der 49 Geiseln gespielt hätten. Während er verneint hatte, dass Lösegeld geflossen wäre, hatte er angedeutet, es könnte eine Austauschvereinbarung gegeben haben, um den türkischen Generalkonsul von Mossul und 48 andere Menschen zu retten.

Auch dänischer Staatsangehöriger soll eingetauscht worden sein

Weitere Äußerungen zu dem Deal hat es seither seitens der türkischen Regierung nicht mehr gegeben.

Auch Dänemark hat eine Erklärung seitens der Türkei hinsichtlich der Freilassung eines 27-jährigen Extremisten verlangt und die Angelegenheit vor die Europäische Union gebracht. Und zwar soll der 27-jährige Basil Hassan, ein Däne, ebenfalls Teil des Austauschprogramms gewesen sein.

Dieser saß in der Türkei Untersuchungshaft und Dänemark begehrte die Auslieferung infolge des Verdachts auf Verwicklung in eine Straftat. Hassan soll 2013 in ein versuchtes Attentat auf einen rechtsextremen Schriftsteller in Dänemark involviert gewesen sein. Hassan wurde in der Türkei jedoch auf freien Fuß gesetzt. Auf Kritik aus Dänemark wies Ankara darauf hin, dass die Freilassung kein Akt der Verwaltung war, sondern auf Grund einer Entscheidung der Justiz erfolgte.