Sultanahmet Köftecisi expandiert nach Europa

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Sultanahmet Köftecisi

Gefühlt jeder zweite kulinarische Türkeibesucher beginnt seine Gaumen-Stationen mit Köfte, den türkischen Frikadellen. Beinahe jede Stadt und jeder Grillmeister hat eine eigene Rezeptur und eine eigene Zubereitungsweise. Das macht Köfte in der Türkei zu einem Gourmet-Oberbegriff, es soll insgesamt über 200 verschiedene Arten geben. Unterschieden werden die Frikadellen mit einem Anhängsel, das entweder die genaue Abstammung, den Heimatort des Meisters nennt oder die Besonderheit durch eine Metapher beschreibt. Ganz weit nach oben in der türkischen Köfte-Liga haben es beispielsweise die Inegöl, Sivas, aber auch Akçaabat Köftesi geschafft. Die Rezepturen werden vererbt und sind oft streng geheim.

In Istanbul findet sich die Champions League der Köfte. Alle Spezialisten von Ost und West, von Nord und Süd befinden sich im selben Lostopf. Aber die Provinzrezepte stoßen auf dem historischen Plateau von Istanbul auf einen hartnäckigen Konkurrenten: Den Sultanahmet Köftecisi.

Seit Jahrzehnten dominiert diese bescheidene Frikadelle den Gaumen der Köfte-Fans. Für jene ist der richtige Ort Köfte zu essen der Marktplatz von Sultanahmet zwischen der Blauen Moschee, der Hagia Sophia und dem großen Basar (Kapalıçarşı). Dort reihen sich in Kilometerlänge mehrere Restaurants für Köfte aneinander. Die meisten nennen sich aus Prinzip Sultanahmet Köftecisi. Lediglich Insider wissen: gemeint ist die Sultanahmet-Köfte von Selim Usta.

Osmanisches Feeling

Die Innenausstattung dieses Ladens wirkt typisch osmanisch, die letzten Jahre des Osmanischen Reiches kann man hier förmlich fühlen. Die Kellner sind besonders freundlich und alles sieht hier sehr hygienisch aus. Das spiegelt sich natürlich auch alles in den Preisen wieder.

In Deutschland ist diese saftige Köfte noch nicht ganz angekommen. Hier kennen viele nur Döner oder Adana-Dürüm. Das soll sich nun ändern. Zumindest wenn es nach den fünf Betreibern des 95 Jahre alten Köfte-Unternehmens geht. Mert, Timur und Sinan Tezçakın sowie Murat Koçyiğit und Burak Duman wollen mit ihrem Franchise-System nun nach Europa expandieren. In der Türkei hat das Unternehmen insgesamt 12 Filialen, 9 davon im Franchise-System.

Hierzu hat das Unternehmen bereits mehrere Franchise-Verträge unterzeichnet. So sollen in Deutschland 15 Sultanahmet Köftecisi-Läden eröffnen. In England wurden sogar satte 40 Verträge unterzeichnet, während in den Niederlanden vorerst 5 Läden geplant sind. Nun würden entsprechende Räumlichkeiten gesucht, so Mert Tezçakın, einer der Betreiber. „Wir rechnen damit, dass die ersten Läden 2016 eröffnet werden können“, ist er optimistisch.

Sogar die Schlachthöfe stünden schon fest. In Deutschland soll das Fleisch in Saarbrücken produziert werden. Hier soll auch die erste Filiale von Sultanahmet Köfte Deutschland ihre Türen öffnen. Für England wurde eine Produktionsstätte in Manchester und in den Niederlanden in Amsterdam gefunden. Über die Preise für das Franchise-System tätigt das Unternehmen keine Aussage. Auf Anfrage von DTJ hieß es lediglich, dass in der Türkei die Franchise-Preise zwischen 30.000 und 50.000 US-Dollar liegen. Für Deutschland könne man solche Preisspannen allerdings nicht nennen, da diese individuell ausgehandelt würden.

Kellner kommen aus der Türkei

Sultanahmet Köftecisi will mit den neuen Franchise-Verträgen auch türkischen Arbeitskräften zur Hilfe eilen. „Jeder der Verträge besagt: Das Personal kommt aus der Türkei nach Deutschland. Wir werden mit diesem Projekt mehreren Hundert türkischen Jugendlichen eine Arbeit im Ausland bieten“, so Tezçakın.

Damit wird das Unternehmen auch im Ausland weiterhin einen Beitrag für die türkische Wirtschaft leisten. Das Unternehmen bildet seine Mitarbeiter intern aus. Viele werden nach geraumer Zeit in andere Unternehmen transferiert. Sie sind als Ausbilder eine Art Akademie. Darin sei auch der Schlüssel für den Geschmack und das besondere Istanbul-Feeling versteckt.

Mit diesem System soll auch der ideale Geschmack der Köfte auf deutschem Boden gesichert werden. Auf keinen Fall darf bei einem Restaurantbesuch in Deutschland  Enttäuschung aufkommen, schon gar nicht der Wunsch nach dem Teller erst recht nach Istanbul zu wollen.

Ferner will das Unternehmen Tiefkühlprodukte in Europa anbieten. Erst kürzlich startete das Süßspeisenunternehmen Güllüoğlu mit der Eröffnung von Filialen in Deutschland. Hier kommen die Mitarbeiter allerdings nicht aus der Türkei. Dafür aber die Baklavas. Mit Bursa İskender, Simit Sarayı und anderen könnte man die lange Liste der Unternehmen fortsetzen.

Häufig Streit wegen des Namens

Sultanahmet-Köftecisi hatte in jüngster Vergangenheit viele Auseinandersetzungen mit anderen Unternehmen, die ihren Produkten den Namen „Sultanahmet-Köfte“ gegeben hatten. Auch wurden in anderen Stadtteilen von Istanbul Läden mit demselben Namen eröffnet. Per Gerichtsbeschluss mussten diese dann ihre Namen ändern.

In Europa wird es derartige Probleme wohl erst mal nicht geben.