Türkei: DHKP-C bekennt sich zum Mord an Demonstranten

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Menschen trauern in Okmeydani um den Tod von Burak Can Karamanoglu.

Ausschreitungen am Rande von Demonstrationen im Zusammenhang mit dem Tod des 15-jährigen Berkin Elvan in mehreren türkischen Städten haben nach offiziellen Angaben zwei Todesopfer gefordert.

Der Gouverneur von Istanbul gab an, der 22-jährige Burak Can Karamanoğlu sei im Zuge einer Auseinandersetzung zwischen Jugendgruppen ums Leben gekommen. In regierungsnahen Medien ist von einer Schussverletzung die Rede und werden Assoziationen mit den gewalttätigen Ausschreitungen durch bewaffnete Demonstranten in der Ukraine hervorgerufen. Andere berichten, es gäbe einen Zusammenhang mit einem Wasserwerfer- und Tränengaseinsatz durch die Polizei, die versuchten, Demonstranten daran zu hindern, auf einen zentralen Platz in Istanbul vorzurücken.

Laut BBC Türkçe bekannte sich die linksextremistische Terrororganisation DHKP-C (mehr zu den Hintergründen der DHKP-C hier) zu dem Mord an Karamanoğlu. In der Erklärung, die im Namen der DHKP-C auf halkınsesitv.com veröffentlicht wurde, übernahm die Gruppe auch die Verantwortung für Anschläge auf AKP-Parteibüros in Örnektepe und Talatpaşa.

In Tunceli starb ein Polizeibeamter an einer Herzattacke, während eines Zusammenstoßes mit Demonstranten. Einigen Quellen zufolge soll ein Tränengaseinsatz dafür mitverantwortlich sein. Offiziellen Angaben zufolge war der Beamte jedoch keinem Gas ausgesetzt.

Berkin meinte, in seinem Viertel sicher zu sein

Eine Menschenmenge hatte sich am Mittwoch rund um das Cemevi von Okmeydanı versammelt, wo die Abschiedszeremonie für den Jungen abgehalten wurde. Berkins Vater begrüßte die Menge und empfing ihre Beileidsbekundungen. In weiterer Folge skandierte die Menge Parolen gegen die Regierung Erdoğan. In Istanbul wurden im Zuge der Ausschreitungen 100 Personen verhaftet, weitere 100 in Izmir, während in Ankara 50 Demonstranten festgenommen wurden. Verhaftungen wurden auch aus Samsun und Bursa gemeldet, wo 20 bzw. 40 Personen im Verdacht stehen, die Proteste für Straftaten genutzt zu haben.

Berkin war am Morgen des 16. Juni in Zusammenstöße zwischen Protestierenden und der Polizei im Istanbuler Stadtteil Okmeydanı geraten und aus kurzer Distanz von einem Tränengasgeschoss getroffen worden, als er nach Darstellung seiner Familie Brot holen wollte. Er hatte zuvor den Eltern gegenüber angegeben, in seinem Viertel keine Angst vor Ausschreitungen zu haben. Nachdem er getroffen worden war, fiel er ins Koma und starb nach 269 Tagen auf der Intensivstation. Er wog zum Zeitpunkt seines Todes nur noch 16 Kilogramm.

Obwohl es eine Untersuchung zu dem Vorfall gegeben hatte, gibt es bis heute keine Anklagen gegen Polizeibeamte, die an dem Einsatz beteiligt waren. Premierminister Erdoğan warf den Demonstranten vor, Parteibüros der AKP „verbrannt und zerstört“ zu haben. Er beschimpfte die Demonstranten am Rande einer Eröffnungszeremonie für eine U-Bahn-Linie in Ankara als „Scharlatane, die nichts mit der Demokratie am Hut haben“. Die Türkei werde ihnen am 30. März (Termin der Kommunalwahlen, Anm. d. Red.) die adäquate Antwort erteilen.

Kılıçdaroğlu nennt Elvan „Märtyrer der Demokratie“

Der Vorsitzende der Republikanischen Volkspartei (CHP), Kemal Kılıçdaroğlu, machte Erdoğan für den Tod des Jugendlichen verantwortlich und nannte Elvan einen „Märtyrer der Demokratie“. Kılıçdaroğlu appellierte an die Bevölkerung, sich nicht provozieren zu lassen. „Wir werden unsere Rechte auf dem demokratischen Wege wahrnehmen“, sagte er gegenüber Reportern nach einem Besuch bei der Familie des Toten.

Der stellvertretende Vorsitzende der Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP), Tuğrul Türkeş, verfasste eine Erklärung, in welcher er den Jungen als „Sohn des gesamtes Landes“ bezeichnete. „Mögest Du in Frieden ruhen, tapferer Junge. Wir versprechen Dir, auf Deine Mutter aufzupassen,“ schrieb Türkeş, und ergänzte: „Berkin ist ein gemeinsamer Wert unseres Landes von Diyarbakır bis Edirne. Berkin ist das Symbol von Unschuld, Reinheit und Kindheit. Er steht für das Gefühl von kindlicher Unschuld in uns.“

Auch Verteidigungsminister İsmet Yılmaz nannte, was Berkin geschehen ist, „sehr falsch“. „Ich kann es nicht gutheißen, was Berkin geschehen ist. Ich habe selbst einen 14-jährigen Sohn. Ich möchte der Familie Elvan mein Beileid aussprechen.“

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